Samstag, 16. Juni 2007 Jürgen Griese
bundesweite Demo am 16. Juni 2007 in Berlin

Kinder schützen - Väter schätzen

Der beste Schutz von Kindern vor Gewalt, Vernachlässigung und Entfremdung sind stabile Beziehungen zu Mutter und Vater.

Die Beteiligung von Vätern wird zunehmend politisch diskutiert. Dabei wird immer noch übersehen, dass viele sich als Väter engagieren wollen, aber durch Gesetz und Rechtsprechung daran gehindert werden. Gemeinsames Sorgerecht, Feststellung der Vaterschaft und eine gelebte Vater-Kind-Beziehung durch eine gesicherte Umgangsregelung bleiben für viele Väter noch immer ein kostspieliges Risiko. Die sich häufenden Fälle von Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern zeigt, welche fatalen Folgen die Ausgrenzung der leiblichen Väter haben kann. Väter wollen nicht nur 2 Monate Elternzeit, sondern elterliche Verantwortung ein Leben lang.

Seit Jahren schon demonstriert der Verein Väteraufbruch kür Kinder e.V. in Berlin für ein besseres Familienrecht und die Umsetzung des bestehenden in der Rechtssprechung.

Die diesjährige Kundgebung stand unter dem Motto: "Wenn Väter wollen sollen, müssen sie auch können dürfen". Dieser Slogan weist nach Auffassung der Väter auf einen bundesdeutschen Missstand hin: einerseits wird von ihnen eine intensivere Beteiligung an der Erziehung der Kinder verlangt. Kommt es aber zur Trennung (über 2/3 der Scheidungen werden von Müttern eingereicht), dann werden sie andererseits aus dem Leben der Kinder gedrängt und sollen vielfach nur noch zahlen dürfen. Lauthals, und von Trillerpfeifen unterstützt, schrien die Demonstranten, Väter, betroffene Mütter, Zweitfrauen Großeltern und Kinder, diesen Slogan der Berliner Bevölkerung und den Touristen entgegen.

Einen ersten Halt gab es vor dem Bundesministerium für Justiz. Hier hielt Rainer Sonnenberger vom Bundesvorstand eine an Bundesjustizministerin Zypries gerichtete Rede. Er hob hervor, dass sie zwar Bewegung ins Familienrecht gebracht habe (heimliche Vaterschaftstests, Reform des Unterhaltsrechts), jedoch die Positionen von Vätern eher geschwächt habe, da sie die Bedeutung von Vater und Mutter für die Entwicklung der Kinder nicht erkannt habe: Väter wie Mütter sind für ihre Kinder unersetzlich.

Mit dem Spruch "Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Kinder klaut" ging es weiter zur Ruine des Palastes der Republik. Hier sprach Dietmar Nikolai Webel, ein DDR-Pfarrer, der auch 1989 nicht unwesentlich am Fall der Mauer und der anschließenden Wiedervereinigung beteiligt war. Er erhofft sich, dass nach dem Fall der physischen Mauer nun auch die Mauern in den Köpfen der am Familienrecht Beteiligten fallen und die bisher übliche Praxis der Vergabe eines alleinigen Sorgerechts überwiegend an Mütter zu einer Ruine längst vergangener Zeiten verfällt.

Weiter bewegte sich der Demonstrationszug zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Dort ergriff Ingrid Schuhmacher von den Zweitfrauen als erstes das Wort. Sie beklagte, dass einige Erstfrauen den leiblichen Vater der gemeinsamen Kinder durch ihren neuen Partner ersetzen wollen: "Papas kann man nicht austauschen". Anschließend sprach Rechtsanwalt Marcus Gnau als Pipi Langstrumpf verkleidet. Er (sie) wünscht sich ein Land, in dem Kinder ihre beiden Eltern lieben dürfen.

Begleitet wurde der Demonstrationszug vom polnischen Fernsehen. Denn am Zug nahmen auch polnische Eltern teil, denen deutsche Jugendämter die Kommunikation mit ihren Kindern in ihrer Muttersprache untersagt haben.

Die Forderungen des Demozugs:

  • Umgangsrecht ist Elternzeit 
  • Gemeinsames Sorgerecht auch für nicht-eheliche Kinder 
  • Vaterschaftstests für alle leiblichen Väter 
  • Kinderfreundliche Arbeitszeiten auch für Väter 

Wenn Väter wollen sollen, müssen sie auch können dürfen!